Über den Ort
Monolog der Skulptur (Männerstimme). (Nach der authentischen Erzählung von K. Jaroševaitė im Buch „Ksenija Jaroševaitė. Traditionelle Skulptur im 21. Jahrhundert“. 2004):
– Schon am Tag der Eröffnung beschmierte mich offenbar ein psychisch instabiler Mensch. Nach diesem unangenehmen Vorfall diskutierten die Organisatoren des Symposiums darüber, ob es sich gehöre, an einem belebten Weg eine Statue eines nackten Mannes aufzustellen. Meine Autorin, die Bildhauerin Ksenija Jaroševaitė, musste alle daran erinnern, dass sich niemand über skulpturale Darstellungen nackter Frauen empört. Als die Bildhauerin, die mich geschaffen hatte, offen fragte, warum eine Skulptur eines nackten Mannes nicht öffentlich gezeigt werden dürfe, konnte niemand eine Erklärung geben. So blieb ich – die Skulptur „Aufdringliche Gedanken“ – dort stehen, wo man mich aufgestellt hatte. Leider sind die Arme der Vandalen lang. Jedes Mal, wenn die Bildhauerin aus Vilnius den Park besuchte, fand sie mich beschmiert vor.
Doch das ist lange her, vor der Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Heute sind die Menschen kultivierter.
Sie streichen über die Gedanken, die mir den Rücken hinablaufen, kitzeln sie, damit sie schneller verschwinden – Unruhe, Angst, Misstrauen, Eifersucht … all das, was den Menschen nach unten zieht, bis auf den Grund. Mögen auch deine aufdringlichen Gedanken davonlaufen, lieber Passant!